Diskussion
Wir wollen achtsam miteinander umgehen. Daher wollen wir auch auf unsere Sprache achten und über Wörter und ihre Bedeutung nachdenken und miteinander reden.
Hier sagen einige Leute ihre Meinung über die Wörter "behindert" und "geistig behindert".Wir suchen nach besseren Wörtern, die leicht verständlich sind.
Wir bitten alle, die einen Vorschlag haben, uns zu schreiben:
diskussion(at)lebenshilfe-salzburg.at
Gernot Pichler, Besucher der Modenschau in Bischofshofen
Hallo liebes Lebenshilfeteam (Salzburg bis Bischofshofen)
Ich möchte mich mit diesem Mail an Euch wenden, weil mir aus ganzem Herzen danach ist.
Ich war mit meiner Frau und meiner Tochter Zeuge einer derart herzlichen und einfühlsamen, gefühlsbetonten und aufregenden Benefizmodenschau in Bischofshofen, dass ich mir die gefühlte Freude über die Arbeit der Lebenshilfe aus den Fingern schreiben möchte.
Ein schlichtes Danke! Für die Vorbereitung und Durchführung wäre in diesem Fall zu wenig der Worte.
Es wurde vieles schon gestern gesagt und gedankt.
Natürlich gebührt der Dank auch den Teilnehmenden Schülerinnen und dem Schüler und dem Lehrkörper der HBLA Hallein.
Aus Sicht eines Zusehers, hier nun mein Eindruck.
Das Team um Frau Santner von der Lebenshilfe Bischofshofen hat es geschafft, die Barrieren, die vielleicht in den Köpfen mancher Menschen waren, beiseite zu räumen.
Vom ersten Applaus an habe ich Tränen in den Augen gehabt, da mir sofort bewusst wurde, welche positive Gefühlswelle auf die Akteure mit Beeinträchtigung zukam.
Man spürte das Wohlfühlen, das Genießen, das fallen lassen in diese Zuneigung des Publikums.
Die sicher nicht gespielt war, man hatte eher das Gefühl die Menschen waren froh, durch den Beifall ein hörbares Zeichen für die Solidarität und Wertschätzung zu setzen. So kam es zu den ersten Wortmeldungen und Gefühlsausbrüchen der Akteure und es war schön.......
Ab dem Zeitpunkt konnte man erleben, wie mehr oder weniger rund die Bewegungs und Denkabläufe der Menschen möglich sind. Unterm Strich hat aber jede und jeder alles gegeben und ich hoffe sehr, dass dieser Abend in deren Herzen und auch in den Herzen aller anwesenden Gäste einen tiefen Eindruck und eine Nachhaltigkeit hinterlassen haben.
Für Eure Arbeit kann man nicht genug danken, für Euer Gefühl, mit Menschen umzugehen, kann man nicht genug Hochachtung aussprechen.
Nun noch einige Gedanken, die vielleicht Schwung in die verfahrene Bezeichnungsproblematik für Menschen mit Beeinträchtigung bringt.
Mich würde es freuen, wenn ich hier vielleicht einen kleinen Beitrag zur Diskussion geben kann.
Nennt doch die „Behinderten!!! Ein ganz schlimmes gefühlsloses Wort) DIE WUNDERBAREN!
Man muss vielleicht kurz nachdenken, aber das sagt schon sehr viel aus. Die Leute verwundern durch Ihre tatsächlichen Talente und gelebte Freude, also sind diese Leute wunderbar und alle zusammen sind DIE WUNDERBAREN
Oder:
AUCHMENSCHEN, Es sind doch auch Menschen und keiner sollte daran Zweifel haben
Oder:
NO PRO plem plem, Ein Wortspiel, vielleicht kann man das irgenwie verwerten. (ich verstehe darunter, dass ich kein Mensch bin, der solche Menschen als plem plem bezeichnet und abstempelt, und ein Problem ist das schon gar nicht)
Oder: ich verspreche, dass ich noch weiter über eine passendere Bezeichnung nachdenken werde
MITOHNEPROBLEMMENSCHEN vielleicht
Beste Grüße
Gernot Pichler
Guido Güntert:
Die Bezeichnung "geistig behindert" ist nicht das Gelbe vom Ei. Wir verwenden sie solange, bis wir etwas Besseres finden, das alle verstehen.
Peter Schnöll:
Ich fühle mich durch die Bezeichnung "geistig behindert" beleidigt und diskriminiert.
Susanne Girlek:
Das Wort „Behinderte“ klingt für mich arg. Was heißt das überhaupt? Ist jeder der nicht der Norm entspricht behindert? Ich fühle mich nur dann behindert wenn ich nicht die notwendige Unterstützung bekomme. Die Gesellschaft macht uns behindert. Für mich würde der Begriff „Mensch mit Lernschwäche“ besser passen.
Bernhard Gollackner:
Menschen mit Behinderung sollten selbstbewusster sein und sich gegen dummes Gerede wehren. Jeder Mensch hat doch irgend eine Behinderung.
Der Begriff „geistige Behinderung“ klingt nicht gut, aber wir haben auch keinen Ersatz. Ich wünsche mir, dass es mir einmal einen revolutionären Namen träumt.
Gabriela Pettin:
Menschen mit Behinderung gehören genauso zur Gesellschaft wie alle anderen. Das Wort „Behinderte“ wirkt ausgrenzend für mich. Ich möchte mitten in der Gesellschaft leben, trotz meiner Probleme.
Elisabeth Linhuber:
Mir gefällt der Begriff „Behindert“ nicht. Ich fühle mich nicht behindert wenn ich als Trompeterin mit der Musikkapelle unterwegs bin. Der Begriff „Beeinträchtigung“ gefällt mir besser.
Vladimir Klisurić:
Ich finde Beeinträchtigung, Handicap oder Lernschwierigkeiten bessere Begriffe. Sie klingen nicht so negativ.
Maco Buchinger:
Ich würde die Diskussion gerne auf eine höhere Eben stellen. Ich plane, einen Brief an die Lebenshilfe Österreich und Deutschland zu schreiben, um zu erfragen, was die Selbstvertreter dort meinen. Vielleicht sind sie ja schon weiter.
Agnes Friesacher:
Das haben wir uns ja alle nicht bestellt dass wir behindert sind. Wir sind einfach Menschen.
Hannelore Luschan:
Ich habe die Behinderung meiner Tochter akzeptiert und dadurch wahrscheinlich auch kein Problem mit dem Wort "Behinderung".
Dr. Heinz Werner Blum, Geschäftsführer der Lebenshilfe Vorarlberg:
Die Diskussion über die Verwendung des Begriffes "Behinderung" in Zusammenang mit Menschen ist für mich immer problematisch. Denn niemand lässt sich auf diese Weise - auf Grund einer Schwäche - gerne katalogisieren.
Auf der anderen Seite ist die Bezeichnung "Behinderung" wiederum hilfreich, weil durch diese Abgrenzung im Sinne des Nachteilsausgleiches materielle und immaterielle Unterstützungen gewährt werden. Wie wir diesen Spagat schaffen, weiß ich auch (noch) nicht.
Eines aber ist klar: Im Alltag kommen wir mit Ansprachen wie Herr und Frau Mustermann/frau aus und müssen wirklich nicht die Bezeichnung "Behinderung" verwenden.
Dr. Burgi Flucher-Wolfram; Fachärztin Für Kinder- und Jugendheilkunde, Ambulatorium für Entwicklungsdiagnostik und Therapie der Lebenshilfe Salzburg
Das Wort Behinderung beinhaltet für mich auch das behindert werden, und das erlebt jeder behinderte Mensch fast täglich.
Als Baby: Wird es angenommen so wie es ist?
Als Kleinkind: Darf/ Kann es den Kindergarten im Ort/ in der Nähe besuchen wie die "anderen" Kinder? Darf/ Kann es mit den "anderen" Kindern spielen?
Als Schulkind: Darf/ Kann es die Schule im Ort/ in der Nähe besuchen wie die "anderen" Kinder? Darf/Kann es in den Hort/ die Nachmittagsbetreuung wie die "anderen" Kinder? Sind die Sonderschulen Orte der Ausgrenzung oder der Erholung vom Stress durch die erlebte "Behinderung"?
Als Erwachsener: Darf/ Kann der Erwachsene sinnvoll am Arbeits-/ Leben teilhaben?
Diese Liste ist sicher noch beliebig fortzusetzen und solange dies der Fall ist, ist der Begriff Behinderung aus meiner Sicht zutreffender als viele Neukonstruktionen.















