SelbstvertreterInnen präsentieren Papier zur Inklusion
Anlässlich des Internationalen Tages der Menschen mit Behinderung am 3. Dezember überreichten SelbstvertreterInnen im ganzen Bundesland die neuen Dialogpapiere „Wege zur Inklusion“ und „Eine Schule für alle“ an Landesrätin Erika Scharer, Landtagsabgeordnete und Bezirkshauptleute im Pinzgau, Pongau und Lungau.
Im Pinzgau präsentierten die SelbstvertreterInnen ihre Forderungen vor Bezirkshauptfrau Dr. Drexler und den Landtagsabgeordneten LAbg. Karl Schmidtlechner, LAbg. Margit Pfatschbacher und LAbg. Rosemarie Blattl. Dr. Drexler bot an, Menschen mit Beeinträchtigung in den „PinzPower“-Arbeitskreisen einzubinden.
Im Pongau und im Lungau luden die SelbstvertreterInnen in die Werkstätte Radstadt bzw. Tamsweg ein. Gekommen waren BH Mag. Harald Wimmer und LAbg. Dr. Brigitta Pallauf (Pongau) bzw. LAbg. Manfred Sampl, LAbg. Peter Pfeifenberger und Alexandra Grabert (Vertretung von BH Dr. Kissela).
Inklusion ist ein Modell, das die herkömmliche Behindertenhilfe in neue Bahnen lenkt. Die Zeiten der Fürsorge und reiner Betreuung von Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen sind längst vorbei. Die Herausforderung besteht darin, Menschen mit Behinderungen so zu unterstützen, dass sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten ein selbstbestimmtes Leben führen können – in ihrer eigenen Wohnung, in einem inklusiven Arbeitsverhältnis, in ihrer Freizeit. Die Selbstbestimmungsrechte sind in der UN-Behindertenrechtskonvention verankert und seit zwei Jahren geltendes österreichisches Recht.
In beeindruckenden Worten brachten die SelbstvertreterInnen ihre Anliegen und Forderungen auf den Punkt:
Erich Girlek: „Mir ist es ein besonderes Anliegen, dass Menschen mit Behinderung die Möglichkeit haben so zu wohnen, wie sie wollen. Es muss auch Unterstützer für das Wohnen in den eigenen vier Wänden geben, nicht nur die betreuten Wohnhäuser und teilbetreutes Wohnen“.
Maco Buchinger: „Wir wollen mitreden und mitbestimmen, wenn es um unsere Anliegen geht. Nicht über uns ohne uns“.
Michael Maier (Lungau): „Mir ist es ein besonderes Anliegen, dass ich einmal in einer Tischlerei arbeiten kann, wo ich richtig bezahlt werde und eine Versicherung habe.“
Gerlinde Warter (Pongau): „Ich bin schon älter und für mich stellt sich die Frage, wie es beim Wohnen für mich weitergeht. Mir ist es sehr wichtig, dass ich im Alter so wohnen kann wie ich möchte und nicht in ein Seniorenheim muss.“
Alexander Dick (Pinzgau): „Es geht ums Miteinander leben. Man soll nicht auf den Schwächen herumhacken, sondern die Stärken hervorheben“.
Scharer: Änderung des Salzburger Behindertengesetzes
Landesrätin Scharer versprach das Salzburger Behindertengesetz, das mittlerweile seit 30 Jahren besteht und somit das älteste in ganz Österreich ist, zu modernisieren und im Sinne der Betroffenen an die aktuellen Gegebenheiten anzupassen. Die Herausforderung der Neuadaptierung des Gesetzes bestehe laut Scharer darin, nach dem Vorbild der UN-Behindertenrechtskonvention Menschen mit Behinderung in allen Lebensbereichen so zu unterstützen dass sie ein selbstbestimmtes Leben führen können. „Das heißt über das wichtige Stadium der Integration hinaus die Inklusion von Menschen mit Behinderung voranzutreiben“, so Scharer.
Weiterer Meilenstein: Behindertenbeirat ab 2011
Ein Schritt in Richtung Inklusion ist die Installation des Behindertenbeirates Anfang 2011. „Die Vorarbeiten sind bereits abgeschlossen. Besonders wichtig ist es mir, dass den SelbstvertreterInnen ein starkes Mitspracherecht eingeräumt wird“, betont Scharer.
Lebenshilfe Salzburg - Präsident Wolfgang Huemer zeigt sich über die Ergebnisse zufrieden: „Schon lange fordern wir eine Reform des Behindertengesetzes. Gerne stellen wir dabei unser Know-how zur Verfügung!“, erklärt Huemer.
Inklusive Bildung heißt eine Schule für alle
Gemeinsames Lernen schafft die Grundlagen für gemeinsames Leben. Dabei ist ein zentraler, für die Bildung wichtiger, Punkt: Integration strebt die Eingliederung von Menschen mit Behinderung in die bestehende Gesellschaft an. Inklusion hingegen gestaltet die bestehenden Systeme so, dass von vornherein alle an der Gesellschaft teilnehmen können.
„Ich möchte betonen, dass die Lebenshilfe sich von einer `Schließung der Sonderschulen´ distanziert, sondern dafür eintritt den großen Wissensschatz der Sonderschule in die allgemeine Schule einfließen zu lassen, um auf diese Weise eine Schule für alle Kinder zu schaffen.“, so Präsident Huemer.
Das zu verwirklichen, bedeutet eine notwendige Reform des österreichischen Bildungswesens auf allen Ebenen. Grundlage ist die UN-Konvention, in der in Artikel 24 das „Recht auf inklusive Bildung“ festgehalten ist. Derzeit werden in Österreich etwa die Hälfte aller SchülerInnen mit intellektueller Beeinträchtigung an allgemeinen Schulen unterrichtet, die andere Hälfte an Sonderschulen. Im Gegensatz zur Steiermark, wo über 80 % der SchülerInnen mit Beeinträchtigung schon integriert sind, findet sich Salzburg diesbezüglich im unteren Mittelfeld wieder. Die Lebenshilfe Österreich hat hier einen Stufenplan für eine gemeinsame Schule bis 2016 vorgelegt.
Dass die inklusive Schule erfolgreich funktionieren kann zeigt ein eindrucksvolles Bespiel aus Spanien, wo es seit 1986 keine Sonderschulen mehr gibt: Pablo Pineda ist der erste Mann mit Down –Syndrom in Europa, der ein Hochschulstudium abgeschlossen hat und nun als Lehrer arbeitet!
„All die Erfahrungen, die ich in meiner Kindheit und Jugend machen durfte, habe ich nur der öffentlichen Schule zu verdanken. Die Mischung macht es aus. Denn alle, egal, ob mit oder ohne Down – Syndrom, lernen letzten Endes voneinander.“, resümiert Herr Pineda seinen schulischen Werdegang in einem Interview mit `Die Presse´.
http://www.welt.de/gesundheit/article3901173/Europas-erster-Lehrer-mit-Downsyndrom.html
Beispiel einer inklusiven Schule in Großbritannien: http://www.cleves.newham.sch.uk/




