Für den Erhalt einer funktionierenden Integration in Salzburg
Das Land Salzburg plant für das kommende Schuljahr 7 weitere Integrationsklassen, stellt insgesamt aber nicht ausreichend Lehrerstunden zur Verfügung. In Klassen mit 22 Kindern, davon bis zu 8 Kinder mit Förderbedarf, stünde dann in vielen Unterrichtstunden nur eine Lehrperson. Ihre Aufgabe wäre sowohl den Sonderlehrplan als auch den allgemeinen Lehrplan zu unterrichten und auf die unterschiedlichen Bedürfnisse einzugehen. Sinnvoller Unterricht wird damit für alle Kinder, ob mit oder ohne Förderbedarf, unmöglich.
Die Diskussion um die Kürzung von Lehrerstunden in Integrationsklassen in der Stadt ist ein Widerspruch zur von Österreich im Jahr 2008 unterzeichneten UN-Behindertenrechtskonvention und kann so nicht hingenommen werden. Derzeit werden in Österreich etwa die Hälfte aller SchülerInnen mit intellektueller Beeinträchtigung an allgemeinen Schulen unterrichtet, die andere Hälfte an Sonderschulen. Im Gegensatz zur Steiermark, wo über 80 % der SchülerInnen mit Beeinträchtigung schon integriert sind, findet sich Salzburg diesbezüglich mit 52 % im unteren Mittelfeld wieder.
Guido Güntert, Geschäftsführer der Lebenshilfe Salzburg: „Behindertenpolitik ist Querschnittsmatierie und betrifft unser Bildungssystem genauso wie auch den Wohnbau und den Arbeitsmarkt. Wir sehen die schulische Integration als Zwischenschritt, Ziel muss eine inklusive Schule für alle sein“.
Die Lebenshilfe unterstützt daher die Elterninitiative „Pro-Integration-Salzburg“ in der Forderung zumindest nach dem Erhalt der jetzigen Ressourcen, denn: gemeinsames Lernen schafft die Grundlagen für gemeinsames Leben.
Burstaller: Land stellt keine Ressourcen zur Verfügung
Das Gespräch der Elterninitiative mit Landeshauptfrau Burgstaller hat keine Zugeständnisse seitens der Politik gebracht. Die Landeshauptfrau stehe zwar hinter dem Gedanken der Inklusion, spielt die Finanzierung aber an den Bund weiter.
Erstmals geht eine Initiative von Eltern mit Kindern ohne Behinderung aus!
Alois Autischer von der Elterninitiative „Pro-Integration-Salzburg“: „Erstmalig wird eine Initiative für Integration nicht von den Betroffenen getragen, sondern von Eltern von Kindern ohne Förderbedarf. Erstmals ist eine große Gesellschaftsgruppe bereit zu sagen: wir wollen, dass unsere Kinder die Chance haben mit Kindern mit Behinderung zu lernen.“
Die Politik sei dazu da, die Vorstellungen der BürgerInnen umzusetzen. Der Bund verteilt zwar Gelder für die Integrationsklassen, geht dabei aber von einer schon seit Jahren zu niedrigen Integrationsquote von 2,7% aus. Andere Bundesländer gleichen den Fehlbedarf durch eigene Budgets aus. Salzburgs Landeshauptfrau war bis dato dazu nicht bereit. Ganz im Gegenteil: Sie plant zwar (um den sogenannten Masterplan „Integration“ zu erfüllen) mehr Integrationsklassen für das Schuljahr 2011/12, stellt dafür aber nicht mehr Geld zur Verfügung. Es wird einfach von bestehenden Integrationsklassen genommen und umgeschichtet.
Der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Beeinträchtigungen erfordert eine Vielfalt an pädagogischen Fähigkeiten sowie ausreichend Zeit für die engagierten Lehrenden, um auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder zu jeder Zeit eingehen können. Integration kann nur funktionieren, wenn die Rahmenbedingungen stimmen und die Ressourcen dafür bereitgestellt werden.
In einer gemeinsamen Resolution der Eltern aller betroffenen Schulen fordert die Elterninitiative „Pro-Initiative-Salzburg für unsere Kinder:
1. Keine Kürzung des Integrationsunterrichts! Wenigstens Aufrechterhaltung des bereits 2011 grenzwertig niedrigen Stands der Integrationsstunden ohne Umschichtungen. Mittelfristig unterrichten in JEDER Integrationsklasse in Salzburg je eine Pflichtschullehrkraft UND eine Sonderschullehrkraft in JEDER Unterrichtsstunde gemeinsam.
2. Langfristige Gewährleistung neuer Ressourcen statt Kaputtsparen!Finanzielle Vorkehrungen, die nicht durch Umschichtung innerhalb des Bildungs- oder des Sozial-ressorts erfolgen, um der Verpflichtung zur schulischen Integration (UN-Behindertenrechtskonven-tion), als auch dem von der Landesregierung selbst im "Masterplan Integration" festgelegten Ziel (80% Integrationsquote) nachkommen zu können.
Rahmenbedingungen schaffen, ausbauen und an die Bedürfnisse der Kinder anpassen! Einsatz für die Erhöhung der viel zu niedrigen sonderpädagogischen Förderquote, damit mehr Bundes-Geldmittel für einen qualitätsvollen Integrationsunterricht zur Verfügung stehen. Die schulische Integration ist in höchster Qualität weiter zu forcieren, u.a. durch eigenständige Lehrerausbildung in der Sonderschulpädagogik und Ressourcenbereitstellung zur Lehrerfortbildung.
In einem ersten Schritt wird gefordert, die geplanten Stundenkürzungen zurückzunehmen. Dazu und zu den weiteren Forderungen erwartet man eine verbindliche Aussage und klare Positionierung von Frau LHF Burgstaller spätestens bis zum „Bürgergespräch“ am 25.05.2011.
Diese Resolution wird von allen Eltern folgender betroffener Schulen getragen: VS Evangel. Diakonie, VS Gnigl, VS Herrnau, VS Lehen 1, VS Lehen 2, VS Leopoldskron-Moos, VS Liefering 2, VS Maxglan 2, VS St. Andrä, VS Taxham, NMS Diakonie, NMS Lehen, NMS Liefering, NMS Taxham
Geplante Aktionen:
Bürgergespräch mit LH Gabi Burgstaller am 25.5., 19 Uhr im Müllner Bräu
Unterschriftenaktion, auch auf homepage www.pro-integration-salzburg.at und Plattform facebook.com/pro-integration-salzburg
Demo zum Chiemseehof am 16. Juni, 16.30 Uhr. Treffpunkt: Platzl
INFOSTÄNDE:
Samstag, 28. Mai, 9 bis 12 Uhr:
Infostand am Alten Markt zum Unterschriften sammeln
Samstag, 28. Mai, ab 13 Uhr:
Ev. Infostand am fairkehrten Fest? Unterschriften sammeln
Mittwoch, 1. Juni, 7 bis 12 Uhr:
Infostand auf der Schranne / beim Kassengebäude der Parkgarage zum Unterschriften sammeln
Montag, 6. Juni bis Freitag, 10. Juni:
Aktion „Der schwarze Mann“: Zwei Personen stehen mit Werbetafeln beim /vorm Chiemseehof.
Mittwoch, 15. Juni, ab 14 Uhr:
Infostand beim Kinderflohmarkt bei der VS Maxglan




